Aiki-wiki

Bye Bye, AJ
Es ist nun fast 15 Jahre – also sozusagen mein halbes Leben – her, dass ich im Dōjō beim Warten auf die nächste Trainingseinheit durch eine Ausgabe des AikidōJournals blätterte. Ich weiß nicht mehr genau, wieso ich das damals dachte, aber nach 2-3 Jahren erster Erfahrungen im Bereich Editieren und Übersetzung war ich der Meinung: „Was für ein cooles Magazin. Da kann ich doch bestimmt irgendwie helfen.“


Nach etwas mehr Bedenkzeit und einem exzellenten Aikidō-Training schrieb ich dann also eine Mail ans Journal, in der ich meinen (jugendlichen) Eifer ausdrückte. Kurz darauf plagten mich zwar schon einige Gewissensbisse, ob „so ein Grünschnabel“ wirklich etwas beizutragen hat, aber ich bekam eine Chance.
Seitdem ist viel passiert: Abitur abgeschlossen, Studium begonnen, Auslandsaufenthalt, Studium abgeschlossen, 1. Arbeitsstelle, 2. Arbeitsstelle, 3. Arbeitsstelle und etliche Umzüge – ebenso wie Dōjō-Wechsel. Und in all dieser Zeit immer ca. 4 Beiträge fürs AikidōJournal im Jahr. Hab ich am Anfang gewusst, was auf mich zukommt? – Nicht die Bohne. Bereue ich es, dass ich Horst damals geschrieben habe? – Kein Stück!


Nicht nur, dass es ganz oft irre Spaß gemacht hat, ich hab auch noch sehr viel für andere Bereiche meines Lebens gelernt. Wie zum Beispiel teilt man sich seine Zeit bei einem großen Projekt ein? Gebraucht wird diese Fähigkeit ständig, aber mit 16 konnte ich das natürlich nicht einfach so. Oder wie tauscht man sich konstruktiv mit jemandem aus, der 30 Jahre und mehr älter ist als man selbst? Das Aikidō hat mir hier natürlich sehr geholfen, die allerersten Berührungsängste abzulegen, aber darüber hinaus gab es noch weit mehr, was ich durch die Zeit beim AikidōJournal lernen konnte.


In diesem Sinne blicke ich zurück auf eine Zeit voller Projekte, denen ich mich nicht mal im Ansatz gewachsen fühlte, die ich aber trotzdem angenommen habe. Und ich bin wirklich stolz darauf, dass ich fast alle nicht nur bis zum Druck, sondern sogar bis zum Abschluss vorangebracht habe. Natürlich wollte ich mir manchmal die Haare ausreißen, weil ich beispielsweise in der Tonaufnahme über das ganze Geklapper der Kaffeetassen einfach dieses eine wichtige Wort, das viel zu viel Akzent hat, als dass ich es zuordnen könnte, nicht entziffern konnte. Oder was, wenn man einfach absolut unzufrieden mit der deutschen Übersetzung eines Witzes ist? Oder wenn man jemandem auf einem Lehrgang einen Artikel angeboten hat und in der Zusammenarbeit merkt, dass man eigentlich keine Ahnung hat, wie man Autoren betreut? Ich hab ehrlich gesagt selbst keine Ahnung, wie ich das immer gemacht habe. Doch auch an diese Momente, in denen ich eher Verzweiflung gespürt habe und mich schon selbst aufgegeben hatte, erinnere ich mich freudig zurück, denn das sind die, in denen ich über mich selbst hinausgewachsen bin.


Daher bin ich einfach dankbar für die Zeit beim AikidōJournal. Ich bin dankbar für Horst, der mir eine Chance gegeben hat, stets neue Projekte für mich hatte und mit mir zusammen Lösungen gefunden hat, wenn ich wirklich nicht weiter wusste. Ich bin aber auch dankbar für all meine Autoren, die nicht nur wundervolle Texte produziert haben, sondern auch mich als Editor oder Übersetzer bestärkt und geschätzt haben.


In diesem Sinne werde ich das Journal natürlich auch sehr vermissen. Einige Projekte und Ideen werden nun unvollendet bleiben. Bestimmte E-Mails wird es künftig nicht mehr geben. Und als endgültiger Beweis bekommt meine Tätigkeit beim AikidōJournal eine Abschlussjahreszahl auf meinem Lebenslauf. Doch wie Sie sicher selbst wissen, bringt das Aikidō allerhand Dinge in unsere Leben, mit denen wir zunächst nicht gerechnet hätten. Und so denke ich, dass es auch künftig so bleiben wird.
Daher wünsche ich Ihnen, liebe Leser, eine fortwährend tolle Zeit auf der Matte. Und wenn Sie gerade weniger Zeit auf der Matte haben – was uns vermutlich fast allen mal passiert –, dann wünsche ich Ihnen, dass Sie das Aikidō stets an einem warmen Platz in Ihrem Herzen behalten.

Ihre Alice Stephan

Aikido Journal – 4/2025 124DE

AUTOTRANSLATOR FROM CZECH: 🇨🇿 🇬🇧 🇫🇷 🇩🇪 🇮🇹 🇯🇵 🇸🇰